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FORUM Erneuerbare Energien

Energie aus allen Quellen
China will Wachstum und Nachhaltige Entwicklung vereinbaren /
Pekinger Erneuerbare-Energien-Konferenz setzt politisches Signal

Von Markus Dufner
Bonn - Chinas Wirtschaft läuft weiter auf Hochtouren. Der Bauboom in den Städten hält an, das Verkehrssystem wird ausgebaut und die Konsumlust der urbanen Mittelklasse ist ungebremst. Gleichzeitig werden die Grenzen des Wachstums sichtbar: Das Reich der Mitte kann seinen Energiehunger kaum noch stillen und hat mit gravierenden Umweltproblemen zu kämpfen. Die Regierung versucht mit einer Politik nachhaltiger Entwicklung und der Ausschöpfung aller Energiequellen gegenzusteuern. Als Ausrichter der Internationalen Konferenz für Erneuerbare Energien setzt Peking auch ein politisches Signal.
Der Westen sieht Chinas Wachstum mit gemischten Gefühlen. Einerseits profitiert die westliche Exportwirtschaft von dem seit zehn Jahren währenden chinesischen Boom mit Zuwächsen beim Bruttoinlandsprodukt von 9 Prozent und mehr. Andererseits machen Kritiker den Rohstoffverbrauch des Riesenreichs mit seinen rund 1,4 Milliarden Einwohnern verantwortlich für den Preisanstieg von Öl und Stahl.

Chen Ying: Ungerechte Vorwürfe
Solche Vorwürfe seien aber ungerecht, meint Dr. Chen Ying (Foto) vom Pekinger Forschungszentrum für Nachhaltige Entwicklung (RCSD). Die Wissenschaftlerin, die sich anlässlich einer Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung und des Forums Umwelt und Entwicklung in Deutschland aufhielt, plädiert für das Recht ihres Landes, seine “grundlegenden Bedürfnisse zu decken”. Die Industrialisierung sei ein Prozess, den das Schwellenland China nicht auslassen könne. Die Kritiker müssten berücksichtigen, dass China gerade bei den Stahlimporten enorme Verteuerungen von mehr als 70 Prozent akzeptiert habe.
Die Lösung für den wachsenden Energie- und Rohstoffbedarf Chinas lautet Diversifizierung und Einsparung. ”Es ist notwendig, die Entwicklung in allen Bereichen voranzutreiben?, erklärt Chen Ying. “Wir müssen mehr Kohle und mehr Wasserkraft produzieren, da wir uns nicht ausschließlich auf Öl-Einfuhren verlassen können. Aber definitiv brauchen wir auch neue Atomkraftwerke.” Gleichzeitig ist sich Chen Ying sicher, dass der Bereich der Erneuerbaren Energien schneller wachsen könnte.
Für das beginnende Umdenken in Richtung nachhaltige Entwicklung steht in China das Schlagwort “Resourcen-effiziente Gesellschaft”. “Man kann es ständig in den Zeitungen lesen, Experten sprechen darüber und es werden Seminare dazu veranstaltet”, berichtet Chen Ying. “Es wurde geradezu zur Kampagne.” Bei der kürzlichen Vorstellung des 11. Fünf-Jahresplans habe Premierminister Wen Jiabao den Schwerpunkt auf das Thema Nachhaltigkeit gelegt. Der Plan-Entwurf lässt auch Chinas Umweltprobleme nicht unerwähnt. Künftig soll das Wirtschaftswachstum “grüner” ausfallen. Bis 2010 will man den Energieeinsatz, gemessen an der Wirtschaftsleistung, um 20 Prozent effektiver gestalten.

Nichtregierungsorganisationen finden Gehör
An diesem Prozess beteiligt sind auch Nichtregierungsorganisationen (NRO). “Es gibt in unserem Land viele Debatten darüber, wie NRO zur nachhaltigen Entwicklung beitragen können”, sagt Chen Ying. Wenn sie zum Beispiel vor den nachteiligen Umweltauswirkungen eines Projektes warnten, finde das bei der National Umweltschutz-Agentur (NEPA) durchaus Gehör.
Zum Bemühen Chinas, sich als umweltbewusstes Land zu positionieren, kann auch die gerade in Peking stattfindende Internationale Konferenz für Erneuerbare Energien (Birec 2005) beitragen. Mehr als tausend Teilnehmer aus über hundert Ländern, darunter dreißig Minister, Vertreter internationaler Organisationen, der Wissenschaft und der Industrie nehmen an der Nachfolgekonferenz der Bonner “Renewables 2004” teil. Neben dem Konferenzprogramm finden auch zahlreiche Foren zu Fragen der Wirtschaft, Technologie und Entwicklung statt. Die Konferenz wird von der Bundesregierung, der EU-Kommission und den Vereinten Nationen unterstützt. Dass die Chinesen die Konferenz zum Thema "Erneuerbare Energien” ausrichten, habe pragmatische Gründe, meint Paul Suding, Energiedirektor der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Peking. "Wir gehen davon aus, dass sie zum einen zeigen wollen, dass sie sich um dieses wichtige Thema kümmern und dass sie auch eine sehr wichtige Rolle spielen wollen weltweit. Zweitens, dass sie ihren Stand in der Technologie zeigen und möglicherweise auch Anbieter sein wollen. Drittens ist es ein politisches Signal nach außen, ein gutes Mitglied der Weltengemeinschaft zu sein."
Das Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien, das der chinesische Volkskongress dieses Jahr  verabschiedet hat, orientiert sich am deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die Ausarbeitung des Gesetzes oblag der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), die von der GTZ beraten wird. Frank Haugwitz, Experte für erneuerbare Energien bei der GTZ China, sieht schon seit längerem deutliche Anzeichen, dass sich ausländische Unternehmen vor allem in den Bereichen Windenergie und Fotovoltaik zunehmend für den chinesischen Markt interessieren. Der GTZ-Mann glaubt, das Gesetz, das im Januar 2006 in Kraft tritt, werde dieser Entwicklung weiter Vorschub leisten.

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